Tipp des Monats


300 Jahre Stadtrechte in Enger

Aus Dörfern werden Städte

Als der preußische König am 17. April 1719 die Stadtwerdungsurkunden der Orte Borgholzhausen, Halle, Versmold, Werther, Bünde, Vlotho, und Preußisch-Oldendorf unterschrieb, war Enger nicht dabei. Wie konnte das sein? War doch Enger, was die Bevölkerungszahl anging mit 597 Einwohnern sogar noch größer als Borgholzhausen, Versmold, Halle und Oldendorf? Das war für die Engeraner, gelinde gesagt, ein Schock. Warum?, fragt sich da heute so mancher brave Steuerzahler. Denn die Stadtrechte waren an eine Steuer gekoppelt, an die Akzise. Das war eine Art Mehrwertsteuer. Warum waren die Engeraner so erpicht darauf, Steuern zu bezahlen und wozu?


Als Friedrich Wilhelm I. an die Macht kam, sollte sich alles ändern. Alles, was er hatte, wurde ins Militär gesteckt. Seine „Langen Kerls“ waren sprichwörtlich und schluckten den Großteil seines Etats. Alles wurde zusammen gestrichen, was nur ging, sogar sein eigener Hofstaat. Auch das berühmte Bernsteinzimmer tauschte er bei Zar Peter I. zu Soldaten stattlicher Größe um. Der König brauchte Geld! Also führte er in mehreren Ortschaften die Stadtrechte und damit die Akzise ein, um seine Armee zu finanzieren. Was gab der König zurück? Es sollte wirtschaftlichen Aufschwung, Bildung und Entwicklung geben. Aber das darf getrost bezweifelt werden…Für den König galten allein militärischer Ruhm und Ehre als Grund für die Stadterhebungen und die neue Steuereinnahme im Jahre 1719.

 

Diese Geschichte Engers und die der sieben weiteren Akzisestädte dieser Region ist Gegenstand einer Ausstellung, die zustande kam durch die Idee und das Konzept von Dr. Rolf Westheider vom Stadtarchiv Versmold, dem Historischen Verein der Grafschaft Ravensberg unter der wissenschaftlichen Beratung von Sebastian Schröder vom Institut für vergleichende Städtegeschichte in Münster.

 

Wie Enger dann doch noch zu seinen Stadtrechten kam und warum sie sie wieder verloren hat und dann doch noch irgendwann wieder erlangte, darauf darf man gespannt sein. Dies wird in einem spannenden Vortrag von Sebastian Schröder erläutert werden. Und wer die Engeraner ein bisschen kennt, weiß, welche Argumentationskette sie in Gang gesetzt haben…

 

Öffnungszeiten: Di. bis Sa. 15 –18 Uhr | So. 11–18 Uhr
Montag geschlossen
Ort: Widukind Museum Enger, Dachgeschoss, Kirchplatz 10, 32130 Enger,
Tel. 0 52 24-91 09 95
www.widukind-museum-enger.de

Die Ausstellung ist bis zum 11. August zu sehen.