Salomon Blumenau: Lehrer, Kantor und Literat

von Norbert Sahrhage


Salomon Blumenau, im Hauptberuf Lehrer und Kantor, war ein weit über Bünde hinaus bekannter Dramatiker (Stadtarchiv Bielefeld)
Salomon Blumenau, im Hauptberuf Lehrer und Kantor, war ein weit über Bünde hinaus bekannter Dramatiker (Stadtarchiv Bielefeld)

Der im Jahre 1825 in Bünde geborene Salomon Blumenau zählt, obgleich heute weitgehend vergessen, zu den intellektuell bedeutenderen Söhnen seiner Heimatstadt. Im Jahre 1825 bestand die jüdische Gemeinde Bündes aus etwa zehn Familien, die mehrheitlich vom Handel lebten. Meyer und Caroline Blumenau (geb. Sander), Salomons Eltern, die ein Haus nahe der Laurentiuskirche bewohnten, hatten zehn Kinder.

Salomon Blumenaus Vater, Meyer Blumenau, der in Bünde als Kleinhändler und als Schlachter ein eher bescheidenes Auskommen hatte, starb im April 1850 im Alter von 67 Jahren an „Altersschwäche und hinzugetretener Lungenkrankheit“. Salomon Blumenau wuchs mit seinen Geschwistern in Bünde auf und besuchte hier die einklassige Elementarschule der Synagogengemeinde. Unterrichtet wurde er von den beiden Lehrern Schlesinger und Bendix Bonn. Darüber hinaus erhielt der begabte Junge Privatunterricht in den Gymnasialfächern Musik und Französisch, was der Familie vermutlich finanziell nicht leichtgefallen sein dürfte.

Anschließend besuchte Salomon Blumenau das jüdische Lehrerseminar der Haindorf-Stiftung in Münster. Im Jahre 1841 bestand er das erste Examen mit der Note gut und wurde als Elementarlehrer für wahlfähig erklärt. Sein zweites Examen legte Blumenau, 17-jährig, an der Lehrerakademie in Soest ebenfalls mit der Note gut ab.

Seine erste Stelle als Elementarlehrer erhielt Salomon Blumenau an der jüdischen Schule in Elsoff bei Berleburg. Im Jahre 1847 übernahm er die Lehrer- und Kantorstelle der jüdischen Gemeinde in Hovestadt/Krs. Soest, zwei Jahre später wechselte er in das hessische Fritzlar. Im Jahre 1852 kehrte Blumenau ins heimatnahe Lübbecke zurück, wo er einige Jahre tätig war. Eine dauerhafte – und deutlich besser dotierte – Anstellung als Lehrer und Kantor bekam Blumenau im Jahre 1855 bei der jüdischen Gemeinde in Bielefeld, wo er dann 34 Jahre lang tätig war. Die neue Anstellung versetzte ihn endlich in die Lage zu heiraten und einen eigenen Hausstand zu gründen. Noch im Jahre 1855 vermählte sich Salomon Blumenau mit Bertha (Blümchen) Weiß aus Lübbecke. Zwischen 1856 und 1871 wurden dem Ehepaar sechs Kinder geboren, zwei davon starben im Kindesalter. Im Jahre 1866 konnte die Familie in Bielefeld ein Haus erwerben

Salomon Blumenau beteiligte sich intensiv am gesellschaftlichen Leben Bielefelds. Er schloss sich u.a. der Bielefelder Freimaurerloge »Armin zur Deutschen Treue« sowie dem »Volksbildungsverein« an und trat mehrfach als Redner im »Liberalen Bürgerverein«, im örtlichen Arbeiterbildungsverein und im »Kaufmännischen Verein« in Erscheinung. Blumenaus Einstellung zu Religion und Judentum war geprägt durch einen religiös-liberalen Geist. Das von ihm herausgegebene Israelitische(.) Gesangbuch für Synagoge und Religionsschule greift auch auf Melodien von Gluck, Haydn, Mozart und Beethoven zurück.

Neben seiner pädagogischen Tätigkeit wurde Blumenau nach 1860 reichsweit als Schriftsteller bzw. als Dramatiker bekannt, der sich vor allem mit den Werken Lessings und Schillers sowie theologischen Themen und der Freimaurerei auseinandersetzte. In seinen zahlreichen Schriften ging es ihm um religiöse Toleranz, wie auch in seinem Drama Aben Esra deutlich wird. Blumenau ging es in seinen Arbeiten darum, das Gemeinsame in Bibel, Talmud und Koran zu betonen. In einem seiner Stücke heißt es:

„Wie Moses, Christus oder Muhamed Sich in des Glaubens Sätzen unterscheiden –

 Darüber mögen die Gelehrten streiten; Doch unser Herz bleibt davon unberührt.

 Nein, was uns einet, – ist allein die Liebe.“

Nach seiner Pensionierung ließ sich das Ehepaar Blumenau bei seiner Tochter Sophie zunächst in Kassel, dann in Hameln und schließlich in Hannover nieder; dort verbrachte das Ehepaar die letzten Lebensjahre. Salomon Blumenau starb am 2. Januar 1904 in Hannover im Alter von 79 Jahren, wo er auch begraben wurde. Im Nachruf seiner ehemaligen Bielefelder Synagogengemeinde hieß es u.a.: „Seltene Geistesgaben und ungewöhnliche Herzensgüte waren harmonisch in ihm vereint.“

Das Haus Blumenau wurde in den 1920er Jahren im Zuge der Umgestaltung des Kirchplatzes abgerissen. Im Hintergrund ist das Bünder Kriegerdenkmal zu erkennen. (Museum Bünde)
Das Haus Blumenau wurde in den 1920er Jahren im Zuge der Umgestaltung des Kirchplatzes abgerissen. Im Hintergrund ist das Bünder Kriegerdenkmal zu erkennen. (Museum Bünde)

Quellen/Literatur:

Monika Minninger, Salomon Blumenau aus Bünde (1825-1904). Lehrer, Kantor, Prediger, Freimaurer, Autor, in RB: 1988, H. 1, S. 8-21